Montagsfrühstück

Das Montagsfrühstück widmet sich als »Forum für strategische Langsamkeit« einmal im Monat bei Kaffee und Croissants der Reflexion grundsätzlicher Fragen und Probleme des Zusammenhangs von Literatur/Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft.

Programm:

Montag, 4. Juni, 9 – 11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Feminismus – wohin?!
(De)konstruktion von Geschlechterrollen.

Brigitte Mazohl, Karin Michalski und Maxi Obexer im Gespräch
Moderation: Edith Brotzge

Fehlende Chancengleichheit, Quotenregelung, mehr Chefinnen, Teilzeitfalle, Papa-Monat – am 8.3.2012, 101 Jahre nach dem ersten Frauentag, bestimmten diese Themen die österreichische Presse und Tagespolitik. Nicht nur an Tagen wie diesen wird frau mit der Rolle, die sie einnimmt oder die ihr von der Gesellschaft zugeschrieben wird, konfrontiert. Unendlich ist die Liste an Büchern, die das Verhalten von Frauen erklären wollen: Mit Titeln wie Warum Frauen zu viel denken. Wege aus der Grübelfalle oder Spiele mit der Macht: Wie Frauen sich durchsetzen will man „weiblichen Verhaltensweisen“ näher kommen und sie entschlüsseln. Ehefrau, Mutter, Powerfrau, Karrierefrau – frau sollte im Idealfall alles sein und vereinbaren können. Da nimmt es vielleicht gar nicht wunder, dass viele junge Frauen aus diesen Bildern ausbrechen wollen und sich ihre Zukunft als Hausfrau und Mutter vorstellen können.

In diesem Montagsfrühstück wollen wir mit drei Diskutant_innen aus Wissenschaft, Literatur und Kunst über das Frau-Sein, Frauenquoten und „weibliche“ Verhaltensweisen ebenso nachdenken wie über die Frage, welche Möglichkeiten Literatur und Kunst bieten, um aus vorgefertigten Geschlechterrollen auszubrechen.

Es diskutieren: die Historikerin Brigitte Mazohl, die Künstlerin Karin Michalski und die Autorin Maxi Obexer.

Brigitte Mazohl lehrte nach ihrem Studium in Salzburg und Wien (Promotion 1971) und längeren Forschungsaufenthalten in Deutschland und Italien als Universitätsdozentin für Neuere Geschichte an der Universität Salzburg (Habilitation 1986). 1993 als o. Univ.-Prof. für österreichische Geschichte an die Universität Innsbruck berufen, wo sie seither tätig ist. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Rahmen der österreichischen, deutschen und italienischen Geschichte in der Zeit zwischen dem 18. Jahrhundert und dem Ersten Weltkrieg. Als einer der frühesten Vertreterinnen einer feministisch orientierten Geschichtswissenschaft hat sie auch zahlreiche Arbeiten zur Frauen- und Geschlechtergeschichte veröffentlicht.

Karin Michalski arbeitet als Künstlerin, Filmkuratorin und Dozentin in Berlin. Sie studierte Publizistik, Politik- und Erziehungswissenschaften an den Universitäten in Mainz und Berlin sowie Filmregie und -produktion (creative producing) an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Zahlreiche Festival- und Ausstellungsbeteiligungen u. a. mit Working On It (50 min., 2008, Co-Regie: Sabina Baumann), Monika M. (15 min., 2004) und Pashke und Sofia (30 min., 2003). Seit 1990 arbeitet sie als Film- und Videokunstkuratorin und organisiert regelmäßig Film- und Videokunst-Reihen. 2011 gab sie das Kunst-Fanzine FEELING BAD – queer pleasures, art & politics heraus. www.karinmichalski.de

Maxi Obexer, geboren 1970 in Brixen, lebt in Berlin und Südtirol. Studierte Vergleichende Literaturwissenschaft, Philosophie und Theaterwissenschaft in Wien und Berlin. Schreibt Prosa, Theaterstücke, Hörspiele und Essays, zahlreiche Performances mit KünstlerInnen aus der zeitgenössischen und bildenden Kunst und Musik. Zuletzt: Wenn gefährliche Hunde lachen. Roman (2011, Folio Verlag), Gletscher. Theaterstück. Österreichische Erstaufführung: Innsbrucker Landestheater, Stadttheater Bruneck (2010), Salzburger Landestheater (2011). www.m-obexer.de

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn, Denkpanzer und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft d. Universität Innsbruck

Mit freundlicher Unterstützung von Rauch Mehl und Die Brotbuben

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Montag, 14. Mai, 9 – 11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Seien Sie gemein, dann sind Sie wahr oder
Was macht zeitgenössische Literatur zum Skandal?

Stefan Gmünder und Julia Pröll im Gespräch
Moderation: Doris Eibl

Ein Buch soll „beißen und stechen“, es soll uns „mit einem Faustschlag auf den Schädel“ wecken – dieser Ansicht war schon Franz Kafka. Stehen „SkandalautorInnen“ wie der Franzose Michel Houellebecq in dieser Traditionslinie? Oder geht es vielmehr darum, sich des Skandals als effiziente Marketingstrategie, der (Selbst)inszenierung als Mittel zur Absatzsteigerung zu bedienen?

Ausgehend vom „Phänomen“ Michel Houellebecq, der mittlerweile zum Goncourt-Preisträger und umjubelten Star geworden ist, möchte sich das Montagsfrühstück der Skandalträchtigkeit der zeitgenössischen Literatur widmen. Thematisiert werden neben Michel Houellebecq auch Catherine Millet und Christian Kracht. Gefragt werden soll beispielsweise nach den Mechanismen, die einen Text zum Skandal machen: Sind es seine Themen, ist es ein kruder Realismus, der sich an der Grenze zur Geschmacklosigkeit bewegt und ästhetische Normsetzungen verletzt? Ist es die Selbstinszenierung der Autorinnen und Autoren, die die Grenzen zwischen Öffentlichkeit und Privatheit verwischt? Oder ist die schonungslose, ungeschminkte Beschreibung des gesellschaftlichen Status quo, der sich Autoren wie Michel Houellebecq verschrieben haben, ohnehin nur als „Skandal“ denkbar?

Es diskutieren Stefan Gmünder, Literaturredakteur bei DER STANDARD, und Julia Pröll, Universitätsassistentin am Institut für Romanistik an der Universität Innsbruck.

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn, Denkpanzer und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft d. Universität Innsbruck

Mit freundlicher Unterstützung von Rauch Mehl und Die Brotbuben

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Montag, 23. April, 9 – 11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef Hirn Straße 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Migrationsliteratur: ein kontroversieller Begriff?

Julya Rabinowich und Eva Hausbacher im Gespräch mit Anna Rottensteiner

Der Begriff „Migrationsliteratur“ hat sich mittlerweile im Literaturbetrieb und im literaturwissenschaftlichen Diskurs verankert. Zunächst ein Nischenphänomen in der Literaturlandschaft, haben als „Migrationsautorinnen und -autoren“ wahrgenommene Schriftstellerinnen und Schriftsteller über drei Generationen ihren Weg in die deutschsprachige Kulturproduktion gefunden. Zuschreibungen wie Ausländerliteratur, Gast-, Immigranten-, Emigrations-, Minderheitenliteratur, Literatur ohne Grenzen, Literatur ohne festen Wohnsitz zeugen von den Anstrengungen, Benennungsversuche und Kategorien zu finden. Doch inwiefern sind diese Begriffe bzw. ist der Begriff „Migrationsliteratur“ für die literarische Produktion eines Autors oder einer Autorin mit Migrationshintergrund wirklich bezeichnend? Sind diese Zuordnungsversuche als Bestandteil der Identität des Schreibenden wahrzunehmen oder als wissenschaftliche Kategorisierung? Kann der Begriff „Migrationsliteratur“ zu einem erweiterten Verständnis der deutschsprachigen Literatur und Kultur beitragen oder ist er ganz im Gegenteil einengend und diskriminierend?

Darüber diskutieren die Autorin Julya Rabinowich und die Slawistin Eva Hausbacher.

Julya Rabinowich, geboren 1970 in St. Petersburg, lebt seit 1977 in Wien, wo sie auch studierte. Sie arbeitet als Autorin, Malerin und Simultandolmetscherin. www.julya-rabinowich.com. Julya Rabinowich debütierte 2008 mit ihrem Roman Spaltkopf, der in der edition exil erschien und für den sie den Rauriser Literaturpreis erhielt. Davor war sie bereits als Dramatikerin tätig.

Eva Hausbacher, geboren 1967 in Schwarzach, Ao.Univ.-Prof. am Institut für Slawistik an der Universität Salzburg, Forschungsschwerpunkte: Zeitgenössische russische Literatur, Russische Frauenliteratur (19. und 20. Jahrhundert), Literatur- und Kulturtheorie, Gender Studies und Postcolonial Studies, Inter- und Transkulturalitätsforschung.

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn, Denkpanzer und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft d. Universität Innsbruck

Mit freundlicher Unterstützung von Rauch Mehl und Die Brotbuben

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Montag, 5. März, 9 – 11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef Hirn Straß2 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Die Ich-AG: Selbstausbeutung oder Selbstverwirklichung?

Kathrin Röggla und Thomas Wegmann im Gespräch mit Martin Sexl

In der spätkapitalistischen Leistungsgesellschaft werden Selbstregierungstechniken zum Prinzip erhoben. Der einzelne Mensch hat seiner Ausbeutung bereits längst zugestimmt und wird in einen Sog zwischen scheinbarer Selbstverwirklichung und „commitment“ mit Arbeitsstrukturen hineingezogen. Er wird zur Ich-AG, die die Mechanismen der (Selbst-)Ausbeutung unsichtbar zu machen droht. Das Montagsfrühstück im März wird die Frage ins Zentrum stellen, welche Möglichkeiten die Literatur hat, auf diese neuen Formen der Arbeitswelt und auf Veränderungen von Arbeit und Alltag durch Formen der (Selbst-) Organisation zu reagieren. Wie dringen Formen des Managements in unser Privatleben ein, das seinerseits zunehmend durch Selbstdisziplinierung und Selbstmanagement gekennzeichnet zu sein scheint?

Im Gespräch zwischen Kathrin Röggla und dem Germanisten und Kulturwissenschaftler Thomas Wegmann werden vor allem die sprachlichen Mechanismen des Umgangs mit hegemonialen Strukturen beleuchtet und die genannten Strategien und Strukturen hinterfragt.

Thomas Wegmann, geboren 1962 in Bochum, Studium der Germanistik, Anglistik und Philosophie in Essen, Dublin und Berlin, seit 2011 Univ.-Prof. am Institut für Germanistik an der Universität Innsbruck. Forschungsschwerpunkte u.a. Literatur und Ökonomie, Kulturtechniken des Schreibens und der Schrift, Literatur und Medien, Literatur vom 18. bis zum 20. Jahrhundert.

Kathrin Röggla, geboren 1971 in Salzburg, lebt in Berlin. Zuletzt erschienen: wir schlafen nicht (2004, Fischer), disaster awareness (2006, Droschl), gespensterarbeit, krisenmanagement und weltmarktfiktion (2009, Picus), die alarmbereiten (2010, Fischer), publikumsberatung (zusammen mit Leopold von Verschuer, 2011, Matthes&Seitz). Zahlreiche Radioarbeiten und Theatertexte.

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn, Denkpanzer und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft d. Universität Innsbruck

Mit freundlicher Unterstützung von Rauch Mehl und Die Brotbuben

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Montag, 12. Dez., 9 – 11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef Hirn Straß2 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Körper, Technik, Natur

Beim letzten Montagsfrühstück in diesem Jahr wird es auf einer grundsätzlichen Ebene um das Verhältnis von Natur und Kultur und um die Frage von Biopolitik gehen, wobei im Zentrum die Frage von Bildern des Körpers und von Körperlichkeit generell stehen wird. Ist der Körper ein natürliches Ideal oder ein technischer Effekt? Wie sehen die Normen von natürlicher Körperlichkeit aus und wie haben sie sich entwickelt? Orientieren sich „technische“ Eingriffe in den Körper an einem Ideal des „Natürlichen“?

Kordula Schnegg, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Alte Geschichte und Altorientalistik hat sich in ihrer Forschungstätigkeit mit der Geschichte von Körperlichkeit und Körperbildern beschäftigt. Sie wird mit dem Kulturhistoriker, Sozialwissenschaftler und Künstler Bernhard Kathan diskutieren, dessen Kunst und wissenschaftliche Arbeit sich immer wieder mit der Frage des Körpers und des Verhältnisses von Natur und Kultur / Technik auseinandersetzen.

www.hiddenmuseum.net

Moderation: Martin Sexl

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn, Denkpanzer und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft d. Universität Innsbruck

Mit freundlicher Unterstützung von Rauch Mehl und Die Brotbuben

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Montag, 21. November 2011, 9 – 11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef Hirn Straß2 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Geld: Tauschmittel, Ware, Machrsymbol?

Wie reden wir über Geld? Was verbinden die Menschen emotional mit Geld? Und was ist Geld überhaupt? Eine soziale Praxis? Ein alltägliches Medium? Ein Fetisch? Eine Ware? Ein vernünftiges Instrument des Tausches? Gerade in Zeiten eines – wie es scheint – enthemmten Finanzkapitalismus sind solche und ähnliche Fragen hochinteressant. Das Montagsfrühstück wird zwar nicht das Entstehen von Finanzkrisen erklären können, allerdings kann es Raum geben, um über die Semantik des Geldes zu diskutieren und die Trennung von Ökonomie und Kultur in unserer Gesellschaft zu hinterfragen.

An diesem Montagsfrühstück treffen sich der historisch-ethnographische Blick der Innsbrucker Ethnologin Silke Meyer mit dem literarisch analytischen des Schriftstellers Peter Rosei, der mit seinem Roman Geld! ein lakonisch packendes Buch, ein scharfsinnigböses Puzzle mit komödiantischen Zügen geschrieben hat und seinen Blick auf die Gegenwart unserer Gesellschaft wirft, die bis in die Lebenswürfe des einzelnen hinein in den Fängen des Kapitalismus verstrickt ist. So heißt es denn auch in Anspielung auf Schnitzlers Meisterwerk: „Der Kapitalismus ist ein weites Land.“

Silke Meyer und Peter Rosei im Gespräch mit Martin Sexl

Mit freundlicher Unterstützung von Rauch Mehl und Die Brotbuben

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Montag, 24. Okt., 9 – 11 Uhr

Zurück zur Natur – nur, zu welcher?

Oft sprechen wir wenn es um Armut, atomare Unfälle, Klimawandel oder andere schreckliche Konsequenzen menschlichen Handelns geht von „Unglück“ oder „Katastrophen“, als ob solche Ereignisse „ganz natürlich“ über den Menschen hereinbrechen würden und nicht von diesem gemacht wären. Natur kann so gesehen in der gesellschaftspolitischen und medialen Rhetorik als Argument dienen, um menschliches Handeln zu entschuldigen. Parallel dazu scheint es ein sehr starkes menschliches Bedürfnis und eine Sehnsucht nach einer „natürlichen Natur“ zu geben, die einen Rückzugsort bildet, der frei ist von zivilisatorischen Überformungen und technologischen Eingriffen, welche die Erde ja zunehmends an den Rande eines Kollapses zu führen scheinen. Diese „natürliche Natur“ ist jedoch vielleicht nicht mehr als unberührte Wildnis denkbar, die es schon lange nicht mehr gibt, sondern als in irgendeiner Form deformierte Natur. Exemplarisch wird das dort deutlich, wo vom Menschen gemachte Katastrophen zu einem zivilisatorischen Versagen geführt haben und die Natur zu wuchern beginnt, wie in der Sperrzone rund um Tschernobyl oder in den von Wirbelstürmen heimgesuchten Tropen.

Das komplexe Wechselverhältnis von Natur und Kultur/Zivilisation soll in diesem Montagsfrühstück zur Diskussion gestellt werden. Es diskutieren der Schriftsteller und Musiker Hans Platzgumer und Josef Nussbaumer, Professor am Institut für Wirtschaftstheorie, -politik und -geschichte an der Universität Innsbruck. Moderation: Martin Sexl.

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef Hirn Straß2 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Mit freundlicher Unterstützung von Rauch Mehl und Die Brotbuben

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