Montagsfrühstück

Das Montagsfrühstück widmet sich als »Forum für strategische Langsamkeit« einmal im Monat bei Kaffee und Croissants der Reflexion grundsätzlicher Fragen und Probleme des Zusammenhangs von Literatur/Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft.

Programm:

Montag, 16. Juni, 9-11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn,  Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Vergnügtsein heißt Einverstandensein?

Barbara Hundegger und Jochen Bonz im Gespräch

Moderation: Martin Fritz

„Vergnügtsein heißt Einverstandensein“? Diese Aussage von Theodor W. Adorno aus der Dialektik der Aufklärung (1947) hat bis heute Brisanz in den intellektuellen Debatten rund um die Haltung zu Massenmedien und Massenkultur – und dies trotz, oder gerade wegen, der Modifikationen im kulturellen Kanon der letzten Jahre und Jahrzehnte: Heute scheint es auch in den bürgerlichen und akademischen Eliten kein Problem mehr zu sein, Populärkultur und Megaevents des internationalen Sports massenmedial zu konsumieren. Man handelt sich dabei vielleicht den Vorwurf des Mitläufertums in der „Kulturindustrie“ des 21. Jahrhunderts ein, in der die Gehälter für Spitzensportler ähnlich absurde Ausmaße angenommen haben wie die Boni der Investmentbanker. Inwieweit werden in der Leidenschaft für Sport Ausbeutungsverhältnisse ausgeblendet und die Strukturen einer Sportindustrie in Kauf genommen, die in anderen Sparten schon längst an den gesellschaftlichen Pranger gestellt werden? Und werden durch Events wie der Fußball-WM nicht auch obsolete Konzepte von „Nationen“, eindeutigen Identitäten und klaren Zugehörigkeiten verstärkt und damit Identifikationsschemata weitertradiert?

Darüber diskutieren Jochen Bonz vom Innsbrucker Institut für Europäische Ethnologie, der sich mit Fankultur und Theorien der Kultur auseinandersetzt, und die Autorin Barbara Hundegger.

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn, Denkpanzer und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft d. Universität Innsbruck

Mit freundlicher Unterstützung von Rauch Mehl und Die Brotbuben

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Montag, 12. Mai, 9-11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn,  Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Handwerk, Form oder Konzept? Die Position der Kunst im 21. Jahrhundert

Maria Peters und Petra Gerschner im Gespräch

Moderation: Andrei Siclodi

Über Jahrhunderte verband man den Begriff der Kunst mit der Gestaltung von, im weitesten Sinne, schönen Dingen und mit der ästhetisch ausgewogenen Formung von Material, für die handwerkliches Geschick und Können nötig waren bzw. sind. Seit den „Ready Mades“ von Marcel Duchamp, spätestens aber seit Erfindung der Konzeptkunst nach dem Zweiten Weltkrieg ist dieser Konnex und die Ansicht, dass die Sprache der Kunst die Form sei, nicht mehr selbstverständlich. Auch die über lange Zeit vorherrschende Auffassung der idealistischen Ästhetik, dass der Zweck der Kunst in ihrer Zwecklosigkeit liege, wird im Laufe des 20. Jahrhunderts immer wieder ins Wanken gebracht. Conceptual art, art & language, aesthetic journalism, land art und viele andere Formen zeitgenössischer künstlerischer Arbeit stellen die Kunst nicht nur vor banale methodische Fragen der Ausstellbarkeit oder der Konservierung, sondern auch vor das Problem der gesellschaftlichen Positionierung künstlerischen Schaffens: Hat Kunst einen Nutzen? Wenn ja, welchen? Was ist der gesellschaftliche Auftrag der Kunst? Ist jeder Mensch ein Künstler, wie es Joseph Beuys formulierte? Kann eine Idee schon Kunst sein?

Maria Peters, 1966 in Tirol geboren, lebt und arbeitet nach ihrem Studium an der Universität für Angewandte Kunst und der Akademie der Bildenden Künste in Wien als freischaffende Künstlerin in Innsbruck und Wien. Zahlreiche Auslands- und Arbeitsaufenthalte, u. a. in Grönland, Nepal, Tibet, Zypern. Ausstellungen und Publikationen: http://www.maria-peters.at

Petra Gerschner ist Künstlerin, Filmemacherin und Kuratorin und lebt in München. Nach einem Studium der Fotografie und der politischen Wissenschaften studierte sie ab 1993 an der Akademie der Bildenden Künste München. Ausstellungen (Auswahl): Foreman Art Gallery, Sherbrooke, Biennale Cuveé, Linz und Frankfurter Kunstverein, FFM, Gemeinsam in die Zukunft (2009) Canada, A World Where Many Worlds Fit (2010), Internationales Dokumentarfilmfest, München, es kann legitim sein, was nicht legal ist (2012).

Andrei Siclodi, Kurator, Autor, Herausgeber und Kulturarbeiter. Als Leiter des Künstlerhauses Büchsenhausen in Innsbruck gründete er das dort stattfindende Internationale Fellowship-Programm für Kunst und Theorie. Herausgeber der Publikationsreihe Büchs’n’ Books – Art and Knowledge Production in Context. www.buchsenhausen.at

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Montag, 7. April, 9-11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn,  Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Wider die Überflüssigkeit

Ilija Trojanow im Gespräch mit Josef Nussbaumer.

Moderation: Ekkehard Hey-Ehrl

Der überflüssige Mensch – so lautet der Titel des Essays von Ilija Trojanow, in dem er, so der Untertitel, die Frage nach der Würde des Menschen im Spätkapitalismus stellt.

Wer nichts produziert und nichts konsumiert, ist überflüssig – so die mörderische Logik des Spätkapitalismus. Überbevölkerung sei das größte Problem unseres Planeten – so die internationalen Eliten. Doch wenn die Menschheit reduziert werden soll, wer soll dann verschwinden, fragt Trojanow in seiner humanistischen Streitschrift wider die Überflüssigkeit des Menschen. In seinen eindringlichen Analysen schlägt er den Bogen von den Verheerungen des Klimawandels über die Erbarmungslosigkeit neoliberaler Arbeitsmarktpolitik bis zu den massenmedialen Apokalypsen, die wir, die scheinbaren Gewinner, mit Begeisterung verfolgen.

Bei diesem Montagsfrühstück diskutiert Ilija Trojanow mit Josef Nussbaumer, Professor am Innsbrucker Institut für Wirtschaftstheorie, -politik und -geschichte. In seinen Forschungen beschäftigt sich Nussbaumer seit vielen Jahren intensiv mit Ernährungs-, Hunger- und Umweltgeschichte sowie mit Wirtschaftsgeschichte seit ca. 1850 und Katastrophengeschichte.

Ilija Trojanow, geboren 1965 in Sofia, wuchs in Kenia auf und lebt heute in Wien. Neben seinem umfangreichen literarischen Werk, für das er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, publizierte Trojanow Essays und Reportagen zu globalen politischen und kulturellen Themen, so gemeinsam mit Juli Zeh Angriff auf die Freiheit. Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und Abbau bürgerlicher Rechte (2009) oder den Reportagenband Der entfesselte Globus (2008). Zuletzt erschien sein Roman EisTau (2011) und Wo Orpheus begraben liegt. Mit Photographien von Christian Muhrbeck (2013, alle: Hanser Verlag).

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Krimi und Kritik

Montag, 24. März, 9-11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn,  Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Thomas Wegmann im Gespräch mit
dem/der Autor/in von „Innsbruck liest“
Moderation: Martin Fritz

Das Lesen von Krimis wird  durch die Verlage oft mit Schlagworten wie Entspannung und Unterhaltung beworben: sich zurücklehnen, das Böse und das Gute erkennen und beruhigt das Buch schließen, nachdem das Böse besiegt wurde.

Geschichten über Verbrechen faszinieren Leser und Leserinnen seit jeher und können – in ihren Fragen nach Schuld und Sühne und nach der Ursache des „Bösen“ als ein Archetyp des Erzählens schlechthin gesehen werden. Zu den grundlegenden Merkmalen wie psychologischer Motivation und „Milieubeschreibung“ gehört heute jedoch auch die Kritik an bestehenden sozialen Verhältnissen. Inwieweit hat sich dadurch der „Unterhaltungswert“ von Krimis geändert, inwieweit können, wollen und sollen Krimis nicht mehr beruhigen, sondern vielmehr beunruhigen? Ist in einer Welt mit globalisierten Verbrechensstrukturen eine „Katharsis“ möglich? Sind Gut und Böse so klar unterscheidbar, wie es zahlreiche Krimis suggerieren? Kann und soll Literatur das überhaupt, politische Aufklärungsarbeit leisten, oder inwiefern ist dies eine Überfrachtung und eine Überschätzung von Literatur im Allgemeinen? Darüber diskutiert Thomas Wegmann, Professor am Institut für Germanistik, mit dem/der diesjährigen Autor/in von „Innsbruck liest“.

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Montag, 20. Jänner, 9 – 11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Journalistisch? Ästhetisch? Literarisch?

Rainer Merkel und Andrei Siclodi im Gespräch
Moderation: Anna Rottensteiner

Täglich konfrontieren die Medien mit Informationen über Krisenländer, Katastrophen, Kriege und Konflikte. Dabei stößt der klassische Journalismus in seiner Definition, Informationen für eine größtmögliche Anzahl von Menschen aufzuarbeiten, an seine Grenzen und hinterlässt bei den ZuseherInnen oft ein Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins. Information wird zur Konsumware, Verstrickungen und Hintergrundinformationen kommen selten zu Wort; es scheint Zeit für „Metamedien“ zu sein, für „die erklärende Sparte“.

Andrei Siclodi beschäftigte sich mit dem Einsatz dokumentaristischer und journalistischer Formate im Bereich der bildenden Kunst, unter anderem mit dem Konzept des „aesthetic journalism“, das der italienische Kurator, Schriftsteller und Künstler Alfredo Cramerotti prägte; Rainer Merkel setzt sich in seinen Texten mit der Frage auseinander, wie Literatur mit politischem Engagement zusammengehen kann.

Wie journalistisch kann / soll Literatur – bzw. können oder sollen die Künste – sein? Wie ästhetisch kann / soll Journalismus sein? Welche Möglichkeiten haben die Künste zwischen Dokumentation, Fiktion und formalen Strategien? Auf welchen Überlegungen basiert das Konzept des ästhetischen Journalismus? Wo trifft sich dieser mit rhetorischen Strategien, die z. B. in Kunst und Literatur bereits umgesetzt sind?

Andrei Siclodi ist Kurator, Autor, Herausgeber und Kulturarbeiter. Als Leiter des Künstlerhauses Büchsenhausen in Innsbruck gründete er das dort stattfindende Internationale Fellowship-Programm für Kunst und Theorie. Herausgeber der Publikationsreihe Büchs‘n’Books – Art and Knowledge Production in Context. Zuletzt kuratierte Ausstellungen: Der Slogan, der Protest, ihre Institution und das Spekulative, Künstlerhaus Büchsenhausen (2013) und Collectivity Matters, Kunstpavillon der Tiroler Künstlerschaft, Innsbruck (2013). Andrei Siclodi lebt und arbeitet in Innsbruck.

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Montag, 9. Dezember, 9 – 11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

„Weil ich an euch glaube … “ – Religion und Öffentlichkeit
Hans Augustin und Wolfgang Palaver im Gespräch
Moderation: Martin Fritz

Nicht erst seit dem Wahlkampf zur österreichischen Nationalratswahl 2013 sind religiös grundierte Slogans politik-fähig; die Frage nach dem Verhältnis von Religion und Staat beschäftigt vielmehr Staatstheorien seit der Antike ebenso wie theologische. In unserer Gegenwart scheinen sich zwei Positionen gegenüberzustehen: Die erste ist davon überzeugt, dass nach der Dekonstruktion aller Werte ab der 68er Bewegung eine Rückbesinnung auf jene christlich-jüdischen Werte nötig sei, die das Fundament der westlichen Gesellschaften darstellen, auch als Basis gegen die „drohende Islamisierung“. Die andere Position hingegen sieht in der Rückkehr der Religion(en) eine Gefahr, weil religiöse, also gesetzte und daher unhinterfragbare Werte sich dem demokratischen Prozess entzögen, der danach fragen soll, wie eine Gesellschaft bzw. kollektives Handeln zu gestalten sind.

Wolfgang Palaver, geboren 1958, Univ.-Professor am Institut für Systematische Theologie, Fachgebiet Christliche Gesellschaftslehre.

Hans Augustin, geboren 1949 in Salzburg. Studium der Philosophie, Kunstgeschichte und Archäologie an der Universität Salzburg, Studium der Medizin und Italienisch an der Universität Innsbruck, lebt als Schriftsteller und dzt. Leiter der Kulturprojekte der Landwirtschaftskammer in Tirol. Zahlreiche Publikationen (Auswahl): und wohnt mitten unter uns. Gedichte (Kyrene 2005), Der im brennenden Dornbusch. Roman (Skarabäus 2009), Aufzeichnung einer Täuschung. Roman. Innsbruck (Kyrene 2010).

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Montag, 25. November 2013, 9-11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Kann Literatur (noch) die Welt verändern?
Norbert Gstrein und Christian Quendler im Gespräch
Moderation: Anna Rottensteiner

Inwiefern haben Texte, also „Weltwissen“ in Form von gedruckten Büchern, Einfluss darauf, wie jede(r) Einzelne die Welt wahrnimmt und infolge am gesellschaftlichen Diskurs teilnimmt? Kann die Lektüre von Gedrucktem, insbesondere von literarischen Texten, soweit in die eigene Persönlichkeitsbildung und in das Kollektiv der Gesellschaft eingreifen, dass sie (radikale) Handlungen auslöst, wenn man die Literatur tatsächlich „wörtlich“ nimmt?

Vor 200 Jahren wurde vor der „Romanleserey“ als Gefahr für Leib und Seele noch ausdrücklich gewarnt. Heute scheint es, dass die „Übermacht der Bilder“ zu einer Abwertung des gedruckten Wortes /Textes führt. Ist diese Diagnose richtig? Hat die Literatur ihre Bedeutung im gesellschaftlichen bzw. individuellen Entwicklungsprozess verloren? Und wenn ja, welche Konsequenzen für unser gesellschaftspolitisches Handeln sind dadurch zu erwarten? Oder ist dieser Prozess, sofern die Diagnose stimmt, einfach nur eine letztlich unerhebliche Ablöse eines Mediums durch ein anderes? Darüber diskutieren der Schriftsteller Norbert Gstrein und der Filmwissenschaftler und Amerikanist Christian Quendler.

Norbert Gstrein, geboren 1961, Studium der Mathematik und Sprachphilosophie, lebt als Schriftsteller in Hamburg. Seit seinem Debüt Einer im Jahr 1988 veröffentlicht er kontinuierlich Romane, Erzählungen, Essays. Zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem Alfred-Döblin-Preis und Uwe-Johnson-Preis. Zuletzt erschienen: Die Winter im Süden (2008), Die ganze Wahrheit (2010) sowie Eine Ahnung vom Anfang (2013, alle: Hanser).

Christian Quendler, Assoz.-Prof. am Institut für Amerikastudien der Universität Innsbruck. Forschungsschwerpunkte: Literatur-, Film- und Medientheorie, Intermedialität, amerikanische, britische und deutsche Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts.

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Montag, 28. Oktober 2013, 9-11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

@kulturjournalismus. Zur Lage von Kunst und Kultur in den Medien
Cornelius Hell und Michaela Monschein im Gespräch

Moderation: Gabriele Wild

Was bedeutet (Kultur)journalismus heute? In einer Zeit, wo viele qualitätsvolle Printmedien unter massiven Druck der Medienverlage stehen und sich finanziell kaum mehr halten können, wo anspruchsvolle Radio- oder Fernsehsendungen dem Druck der „Quote“ ausgesetzt sind und das Internet als medialen Mitbewerber haben, stellen sich viele Fragen: Hat die Form des Feuilletons in einer beschleunigten und flüchtig gewordenen Zeit überhaupt noch Bestand? Wo finden die großen geistigen und gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen mittlerweile statt, wenn sie denn stattfinden? Internet und Web 2.0 scheinen neue Möglichkeiten der Vermittlung und Partizipation mit sich zu bringen, in Blogs oder auf Amazon kann sich beispielsweise jeder / jede in aktuelle kulturelle Debatten einbringen. Inwiefern aber gelten hier Qualitätskriterien? Welche Rolle nimmt der Kulturjournalist, die Kulturredakteurin heute ein?

Es diskutieren der Literaturkritiker, Übersetzer und Essayist Cornelius Hell sowie Michaela Monschein, Redakteurin in der ORF- Kärnten Kulturredaktion sowie von 2001 bis 2012 Organisatorin der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt.

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Montag, 17. Juni, 9 – 11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Political correctness: „Wovon man nicht sprechen soll,
darüber muss man schweigen“?

Thomas Edlinger und Manfred Kienpoitner im Gespräch

Moderation: Gabriele Wild

Dieses Montagsfrühstück, dem das berühmte Zitat von Ludwig Wittgenstein in abgewandelter Form und als Frage vorangestellt wurde, greift die Debatte über den politisch korrekten Gebrauch von Sprache auf. Im Laufe der Zeit verändern sich Begriffe und ihre Konnotationen und damit ihre Verwendbarkeit. Besonders im Feld der Literatur stößt man auf die sprachlichen Spuren von Diskursen und Anschauungen, die heute als ausgrenzend und überholt gelten. Kann eine Überarbeitung problematischer Begriffe in literarischen Texten der Vergangenheit als Zensur gesehen werden, als Eingriff in die künstlerische Freiheit der Autorin bzw. des Autors? Wird mit einer solchen Korrektur die Problematik ausgeklammert und eine Auseinandersetzung und Aufarbeitung verhindert? Wie verhalten sich die Opfer diskriminierender Bezeichnungen dazu? Gibt es Gegenstrategien, wie das Aneignen und Umdeuten marginalisierender Begriffe oder das In-Anführungszeichen-Setzen? Wo sind die Gegenstimmen zur Political Correctness politisch zu verorten?

Thomas Edlinger, Radiomacher (u. a. beim Kulturmagazin Im Sumpf auf Fm4), freier Kulturjournalist, Kurator und Buchautor von In Anführungszeichen: Glanz und Elend der Political Correctness (gemeinsam mit Matthias Dusini, Suhrkamp 2012) und der Innsbrucker Sprachwissenschaftler Manfred Kienpointner diskutieren über die Entstehung von Sprachtabus und wie sie aktuell in der Öffentlichkeit ausgehandelt werden.

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Montag, 27. Mai. 9 – 11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

„Menschliche und nicht-menschliche Tiere“ –
Zu einer komplexen Beziehung

Bernhard Kathan und Reingard Spannring im Gespräch
Moderation: Martin Fritz

Wie der Skandal um die „Pferdefleisch-Lasagne“ – abgesehen von der Absurdität einer globalisierten Lebensmittelindustrie – kürzlich zeigte, gibt es in unseren Breiten auch moralische und ethische Bedenken, wenn es um den Verzehr von (bestimmten) Tieren geht. Die vielschichtigen Beziehungen zwischen Tier und Mensch sind immer wieder Anlass für höchst emotional geführte Diskussionen, wobei elementare Impulse am Aufkommen der mittlerweile breit geführten Debatte von den TierrechtsaktivistInnen ausgingen. Seit einigen Jahren findet der Diskurs auch Eingang in die Wissenschaft, in Form von inter- und transdisziplinär angelegten Human-Anmial-Studies, deren methodischer Zugang dabei von u. a. Soziologie, Psychologie, Philosophie, Kultur- und Literaturwissenschaft bis hin zur Erziehungswissenschaft reicht. Daraus ergibt sich ein breites Themenspektrum, wie z.B. die Frage nach der kulturell symbolischen Bedeutung von Tieren, die Auseinandersetzung mit Tierrechten sowie die kritische Analyse der Mensch-Tier-Verhältnisse.

Die Erziehungswissenschaftlerin Reingard Spannring, beteiligt an der Innsbrucker Ringvorlesung Human Animal Studies diskutiert in diesem Montagsfrühstück mit dem Kulturwissenschaftler  Bernhard Kathan, der sich mit Fragestellungen der historischen Anthropologie ebenso beschäftigt wie mit dem sich wandelnden Verständnis des Schmerzes und Todes, mit der Geschichte der Tierliebe oder mit der Organisation von Wahrnehmung (www.hiddenmuseum.net).

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Montag, 29. April, 9 – 11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

„Wieso schreiben sie? Nicht in muttersprache …“
Autobiographisches Schreiben und Sprachwechsel

Dragica Rajčić und Birgit Mertz-Baumgartner im Gespräch
Moderation: Eva Binder

„Nicht in muttersprache“ dieses Zitat von Dragica Rajčić verdeutlicht schon die Fragen dieses Montagsfrühstücks: Welche Rolle spielen autobiographisches Schreiben und Sprachwechsel im Kontext der Migrationsliteratur? Welche sprachlichen und literarischen Ausdrucksweisen ergeben sich daraus? Unter welchen Gesichtspunkten wird „Migrationsliteratur“ in Österreich poetologisch eingeordnet? Wird ein Unterschied gemacht zwischen den Texten von Autoren und von Autorinnen? Spielt das jeweilige Herkunftsland eine Rolle? Diese und andere Fragen diskutieren die Schriftstellerin Dragica Rajčić und die Literaturwissenschaftlerin Birgit Merz-Baumgartner (gemeinsam mit Eva Binder Herausgeberin von
Migrationsliteraturen in Europa, iup 2012).

Dragica Rajčić, geboren 1959 in Split (Kroatien), lebt seit 1978 (mit Unterbrechungen) in der Schweiz, nach dem Studium der Soziokultur als freie Schriftstellerin und Lehrbeauftragte für literarisches Schreiben in Zürich. Sie begann 1970 mit dem Schreiben, zuerst auf kroatisch. Für ihre deutschsprachigen Lyrikbände erhielt sie mehrere Auszeichnungen, u. a. den Adalbert-von-Chamisso-Förderpreis und den Lyrikpreis der Stadt Meran. Bücher (Auswahl): Halbgedichte einer Gastfrau (1986 und 1994), Nur Gute kommt ins Himmel (1994), Post bellum (2000), Buch von Glück (2004, alle: edition 8), Warten auf Broch. Text über Text (2011, Studienverlag).

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Montag, 18. März, 9 – 11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Familienkonstellationen

Innsbruck liest Autorin Margit Schreiner und Raoul Schrott im Gespräch

Moderation: Martin Sexl

Sowohl Margit Schreiner als auch Raoul Schrott beschäftigen sich in ihren Büchern mit Familienbeziehungen und –konstellationen. Während Margit Schreiner in ihrem Buch „Die Tiere von Paris“ aus weiblicher Sicht die Berufstätigkeit als Alleinerzieherin sowie die Mutter-Tochter-Beziehung in den Mittelpunkt stellt, nimmt Raoul Schrott in „Das schweigende Kind“ die männliche Perspektive ein, jene eines Vaters, dem die Entwicklung einer Beziehung zum eigenen Kind verwehrt wird.
Beide bringen zusätzliche Ebenen ins Spiel: Margit Schreiners Roman, der an unterschiedlichen Schauplätzen wie Paris, Tokio, Wien und Italien angesiedelt ist, streift ein weites Panorama unterschiedlicher Lebensentwürfe; Raoul Schrott kombiniert die Thematik mit jener eines Künstlers in der Krise.

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Montag, 21. Jänner, 9 – 11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Digitalisierung von Bücherwelten:
Zukunftsvision oder Albtraum?

Bettina Kann und Radek Knapp im Gespräch
Moderation: Martin Fritz

Die Österreichische Nationalbibliothek will sich in den kommenden Jahren mit einem großangelegten Digitalisierungsprojekt zu einem „offenen Wissenszentrum“ entwickeln. Mit dieser Meldung ging die Generaldirektorin der ÖNB Johanna Rachinger im Herbst letzten Jahres an die Presse: „Wir sind die erste Kultur- und Wissensinstitution, die eine Vision für die Zukunft entwickelt hat“, so Johanna Rachinger über das Projekt „Vision 2025“. Für Kontroversen sorgte vor allem das auf einer angestrebten Novelle des Mediengesetztes basierende Vorhaben, nur noch die E-Books neuer Bücher zu archivieren. Der Vorstand der IG Autorinnen und Autoren stellte eine verlässliche Archivierung und bleibende Zugänglichkeit durch eine rein digitale Speicherung infrage. Kritisiert wurde u.a. nicht nur, dass Bücher bzw. Printmedien als kollektives gesellschaftliches Gedächtnis in Zukunft ausschließlich in virtueller Form aufbewahrt werden sollen, sondern auch die Abwicklung über den Konzern Google.

Im Montagsfrühstück diskutieren Bettina Kann, Leiterin der Hauptabteilung Digitale Bibliothek der ÖNB, und der Autor und Kritiker des Projekts Radek Knapp über die Risiken und Möglichkeiten eines solchen Digitalisierungsprojekts und über seine Auswirkungen.

Bettina Kann, Studium der Geschichte an der Universität Wien. Seit 1993 an der Österreichischen Nationalbibliothek mit verschiedenen Schwerpunkten, darunter Informationsretrieval und Bibliothekssysteme. Seit 2004 Spezialgebiet Digitale Langzeitarchivierung, Repositories und Management digitaler Sammlungen. Lehrtätigkeit im Rahmen des Universitätslehrganges „Master of Science (MSc) Library and Information Studies“.

Radek Knapp, 1964 in Warschau geboren, lebt in Wien. Studium der Philosophie. Publikationen: Herrn Kukas Empfehlungen (1999), Der Papiertiger (2003), Gebrauchsanweisung für Polen (2005). Zuletzt: Reise nach Kalino (2012, alle: Piper).

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Montag, 10. Dez., 9 – 11 Uhr

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Erinnern – aber wie?

Christoph W. Bauer und Irmgard Bibermann im Gespräch
Moderation: Martin Sexl

NS-Gedenkstätten und Gedächtnisorte an die NS-Zeit im Allgemeinen finden sich überall auf der Welt. Sie sind wichtige Orte für die Erinnerung an das Leiden und Sterben so vieler Menschen und zugleich Herausforderung für das Verstehen. In diesem Montagsfrühstück diskutieren Christoph W. Bauer und Irmgard Bibermann darüber, auf welche Weise in einer Zukunft, in der es bald keine Zeitzeugen mehr geben wird, Erinnerungsarbeit geleistet werden soll. Braucht es neue Formen der Vermittlung?

Der Schriftsteller Christoph W. Bauer thematisiert nicht erst mit seinem Roman Graubart Boulevard (Haymon 2008), Fragen der Wahrnehmung und Darstellung von Geschichte und der Möglichkeiten der Korrektur von Geschichtsbildern. Dass er dabei den Weg der Literatur  wählt, ist nicht Zufall, vermag doch die Sprache der Literatur möglicherweise Dinge zu „zeigen“, die man nicht „sagen“ kann, um es  mit einem Begriffspaar von Ludwig Wittgenstein zum Ausdruck zu bringen.

Irmgard Bibermann ist Lehrbeauftragte am Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie und arbeitet als AHS-Lehrerin und Theater- und Gestaltpädagogin. Mitarbeit am Vermittlungsprojekt http://www.erinnern.at

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Montag, 19. Nov., 9 – 11 Uhr

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Literatur und Engagement

Ekkehard Hey-Ehrl und Robert Prosser im Gespräch
Moderation: Gabriele Wild

Littérature engagée – die von Jean Paul Sartre im Zusammenhang seiner Existenzialphilosophie vorgeschlagene Bezeichnung meint eine „Literatur der Praxis“, eine „Literatur der Stellungnahme“, die im Gegensatz zu einer reinen „Seins-Literatur“ steht. Engagierte Literatur bezeichnet im weitesten Sinne alle Literatur, die ein religiöses, ideologisches und politisches Engagement erkennen lässt. Begriff wie Phänomen der engagierten Literatur haben merklich an Kraft und Einfluss verloren: Weil sie mit dem Autonomieanspruch der Kunst kollidieren? Weil sie in den unterschiedlichsten politischen Regimes des 20. Jahrhunderts korrumpiert wurden? Weil es heute keine Position mehr gibt, gegen die SchriftstellerInnen ästhetisch ihr Engagement richten könnten? Die unterschiedlichen revolutionären Bewegungen des beginnenden 21. Jahrhunderts (vom arabischen Frühling bis zur Occupy-Wall-Street-Bewegung) lassen es jedoch angezeigt sein, die Frage des Engagements im literarischen Schreiben neu zu stellen.

Ekkehart Hey-Ehrl, geboren 1961 in Perg / Oberösterreich. Studium der Geschichte und Germanistik an der Universität Innsbruck, arbeitet als selbständiger Buchhändler in der Buchhandlung liber wiederin sowie als Lehrbeauftragter an der Universität Innsbruck und der FHG Innsbruck.

Robert Prosser, geboren 1983 im Tiroler Alpmassiv, Autor und Initiator der Anthologie Riots im gläsernen Käfig. Europäischer Frühling: Im Brennpunkt der Revolte. Edition Aramo. Reihe unter Druck. (Hrsg. Michael Stiller, 2012). Publikationen zuletzt: Strom. Ausufernde Prosa. (2009), Feuerwerk. (2011, alle Klever Verlag).

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Montag, 29. Okt., 9 – 11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Autorenhomepages: narzisstische Selbstbespiegelung, Visitenkarte, Verlagswerbung oder privates Archiv?

Kathrin Passig und Gerlinde Tamerl im Gespräch
Moderation: Elisabeth Sporer

Verlage und AutorInnen haben das Internet als Instrument für ihre Vermarktung entdeckt und nützen es rege. Die eigene Homepage ist dabei das Herzstück, das je nach Interesse mehr oder weniger gepflegt und für verschiedene Zwecke (Werbung, Kommunikation, Instrument der Selbstverwaltung, Archiv) verwendet wird. In den letzten Jahren haben sich zusätzlich noch neuere Formen der Online-Vermarktung und Online-Inszenierung ins Gespräch gebracht, wie Facebook oder Twitter, die die herkömmliche Homepage verdrängen.

Im Montagsfrühstück diskutieren Gerlinde Tamerl, beim Innsbrucker Haymonverlag für die Presse verantwortlich, und die Schriftstellerin und Journalistin Kathrin Passig über die unterschiedlichen Überlegungen, die hinter Autorenhomepages stehen und die von kommerziellen Vermarktungsabsichten bis zu Möglichkeiten eines gesellschaftskritischen oder gar subversiven Umgangs mit neuen Medien reichen können. Elisabeth Sporer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am FWF-Projekt „Autorenhomepages. Ein Projekt zur Erfassung, Analyse und Langzeitarchivierung.“ am Institut für Germanistik, moderiert die Diskussion. Das Projekt lieferte die Motivation zu diesem Montagsfrühstück.

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn, Denkpanzer und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft d. Universität Innsbruck

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Montag, 4. Juni, 9 – 11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Feminismus – wohin?!
(De)konstruktion von Geschlechterrollen.

Brigitte Mazohl, Karin Michalski und Maxi Obexer im Gespräch
Moderation: Edith Brotzge

Fehlende Chancengleichheit, Quotenregelung, mehr Chefinnen, Teilzeitfalle, Papa-Monat – am 8.3.2012, 101 Jahre nach dem ersten Frauentag, bestimmten diese Themen die österreichische Presse und Tagespolitik. Nicht nur an Tagen wie diesen wird frau mit der Rolle, die sie einnimmt oder die ihr von der Gesellschaft zugeschrieben wird, konfrontiert. Unendlich ist die Liste an Büchern, die das Verhalten von Frauen erklären wollen: Mit Titeln wie Warum Frauen zu viel denken. Wege aus der Grübelfalle oder Spiele mit der Macht: Wie Frauen sich durchsetzen will man „weiblichen Verhaltensweisen“ näher kommen und sie entschlüsseln. Ehefrau, Mutter, Powerfrau, Karrierefrau – frau sollte im Idealfall alles sein und vereinbaren können. Da nimmt es vielleicht gar nicht wunder, dass viele junge Frauen aus diesen Bildern ausbrechen wollen und sich ihre Zukunft als Hausfrau und Mutter vorstellen können.

In diesem Montagsfrühstück wollen wir mit drei Diskutant_innen aus Wissenschaft, Literatur und Kunst über das Frau-Sein, Frauenquoten und „weibliche“ Verhaltensweisen ebenso nachdenken wie über die Frage, welche Möglichkeiten Literatur und Kunst bieten, um aus vorgefertigten Geschlechterrollen auszubrechen.

Es diskutieren: die Historikerin Brigitte Mazohl, die Künstlerin Karin Michalski und die Autorin Maxi Obexer.

Brigitte Mazohl lehrte nach ihrem Studium in Salzburg und Wien (Promotion 1971) und längeren Forschungsaufenthalten in Deutschland und Italien als Universitätsdozentin für Neuere Geschichte an der Universität Salzburg (Habilitation 1986). 1993 als o. Univ.-Prof. für österreichische Geschichte an die Universität Innsbruck berufen, wo sie seither tätig ist. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Rahmen der österreichischen, deutschen und italienischen Geschichte in der Zeit zwischen dem 18. Jahrhundert und dem Ersten Weltkrieg. Als einer der frühesten Vertreterinnen einer feministisch orientierten Geschichtswissenschaft hat sie auch zahlreiche Arbeiten zur Frauen- und Geschlechtergeschichte veröffentlicht.

Karin Michalski arbeitet als Künstlerin, Filmkuratorin und Dozentin in Berlin. Sie studierte Publizistik, Politik- und Erziehungswissenschaften an den Universitäten in Mainz und Berlin sowie Filmregie und -produktion (creative producing) an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Zahlreiche Festival- und Ausstellungsbeteiligungen u. a. mit Working On It (50 min., 2008, Co-Regie: Sabina Baumann), Monika M. (15 min., 2004) und Pashke und Sofia (30 min., 2003). Seit 1990 arbeitet sie als Film- und Videokunstkuratorin und organisiert regelmäßig Film- und Videokunst-Reihen. 2011 gab sie das Kunst-Fanzine FEELING BAD – queer pleasures, art & politics heraus. http://www.karinmichalski.de

Maxi Obexer, geboren 1970 in Brixen, lebt in Berlin und Südtirol. Studierte Vergleichende Literaturwissenschaft, Philosophie und Theaterwissenschaft in Wien und Berlin. Schreibt Prosa, Theaterstücke, Hörspiele und Essays, zahlreiche Performances mit KünstlerInnen aus der zeitgenössischen und bildenden Kunst und Musik. Zuletzt: Wenn gefährliche Hunde lachen. Roman (2011, Folio Verlag), Gletscher. Theaterstück. Österreichische Erstaufführung: Innsbrucker Landestheater, Stadttheater Bruneck (2010), Salzburger Landestheater (2011). http://www.m-obexer.de

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn, Denkpanzer und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft d. Universität Innsbruck

Mit freundlicher Unterstützung von Rauch Mehl und Die Brotbuben

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Montag, 14. Mai, 9 – 11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Seien Sie gemein, dann sind Sie wahr oder
Was macht zeitgenössische Literatur zum Skandal?

Stefan Gmünder und Julia Pröll im Gespräch
Moderation: Doris Eibl

Ein Buch soll „beißen und stechen“, es soll uns „mit einem Faustschlag auf den Schädel“ wecken – dieser Ansicht war schon Franz Kafka. Stehen „SkandalautorInnen“ wie der Franzose Michel Houellebecq in dieser Traditionslinie? Oder geht es vielmehr darum, sich des Skandals als effiziente Marketingstrategie, der (Selbst)inszenierung als Mittel zur Absatzsteigerung zu bedienen?

Ausgehend vom „Phänomen“ Michel Houellebecq, der mittlerweile zum Goncourt-Preisträger und umjubelten Star geworden ist, möchte sich das Montagsfrühstück der Skandalträchtigkeit der zeitgenössischen Literatur widmen. Thematisiert werden neben Michel Houellebecq auch Catherine Millet und Christian Kracht. Gefragt werden soll beispielsweise nach den Mechanismen, die einen Text zum Skandal machen: Sind es seine Themen, ist es ein kruder Realismus, der sich an der Grenze zur Geschmacklosigkeit bewegt und ästhetische Normsetzungen verletzt? Ist es die Selbstinszenierung der Autorinnen und Autoren, die die Grenzen zwischen Öffentlichkeit und Privatheit verwischt? Oder ist die schonungslose, ungeschminkte Beschreibung des gesellschaftlichen Status quo, der sich Autoren wie Michel Houellebecq verschrieben haben, ohnehin nur als „Skandal“ denkbar?

Es diskutieren Stefan Gmünder, Literaturredakteur bei DER STANDARD, und Julia Pröll, Universitätsassistentin am Institut für Romanistik an der Universität Innsbruck.

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn, Denkpanzer und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft d. Universität Innsbruck

Mit freundlicher Unterstützung von Rauch Mehl und Die Brotbuben

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Montag, 23. April, 9 – 11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef Hirn Straße 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Migrationsliteratur: ein kontroversieller Begriff?

Julya Rabinowich und Eva Hausbacher im Gespräch mit Anna Rottensteiner

Der Begriff „Migrationsliteratur“ hat sich mittlerweile im Literaturbetrieb und im literaturwissenschaftlichen Diskurs verankert. Zunächst ein Nischenphänomen in der Literaturlandschaft, haben als „Migrationsautorinnen und -autoren“ wahrgenommene Schriftstellerinnen und Schriftsteller über drei Generationen ihren Weg in die deutschsprachige Kulturproduktion gefunden. Zuschreibungen wie Ausländerliteratur, Gast-, Immigranten-, Emigrations-, Minderheitenliteratur, Literatur ohne Grenzen, Literatur ohne festen Wohnsitz zeugen von den Anstrengungen, Benennungsversuche und Kategorien zu finden. Doch inwiefern sind diese Begriffe bzw. ist der Begriff „Migrationsliteratur“ für die literarische Produktion eines Autors oder einer Autorin mit Migrationshintergrund wirklich bezeichnend? Sind diese Zuordnungsversuche als Bestandteil der Identität des Schreibenden wahrzunehmen oder als wissenschaftliche Kategorisierung? Kann der Begriff „Migrationsliteratur“ zu einem erweiterten Verständnis der deutschsprachigen Literatur und Kultur beitragen oder ist er ganz im Gegenteil einengend und diskriminierend?

Darüber diskutieren die Autorin Julya Rabinowich und die Slawistin Eva Hausbacher.

Julya Rabinowich, geboren 1970 in St. Petersburg, lebt seit 1977 in Wien, wo sie auch studierte. Sie arbeitet als Autorin, Malerin und Simultandolmetscherin. http://www.julya-rabinowich.com. Julya Rabinowich debütierte 2008 mit ihrem Roman Spaltkopf, der in der edition exil erschien und für den sie den Rauriser Literaturpreis erhielt. Davor war sie bereits als Dramatikerin tätig.

Eva Hausbacher, geboren 1967 in Schwarzach, Ao.Univ.-Prof. am Institut für Slawistik an der Universität Salzburg, Forschungsschwerpunkte: Zeitgenössische russische Literatur, Russische Frauenliteratur (19. und 20. Jahrhundert), Literatur- und Kulturtheorie, Gender Studies und Postcolonial Studies, Inter- und Transkulturalitätsforschung.

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn, Denkpanzer und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft d. Universität Innsbruck

Mit freundlicher Unterstützung von Rauch Mehl und Die Brotbuben

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Montag, 5. März, 9 – 11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef Hirn Straß2 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Die Ich-AG: Selbstausbeutung oder Selbstverwirklichung?

Kathrin Röggla und Thomas Wegmann im Gespräch mit Martin Sexl

In der spätkapitalistischen Leistungsgesellschaft werden Selbstregierungstechniken zum Prinzip erhoben. Der einzelne Mensch hat seiner Ausbeutung bereits längst zugestimmt und wird in einen Sog zwischen scheinbarer Selbstverwirklichung und „commitment“ mit Arbeitsstrukturen hineingezogen. Er wird zur Ich-AG, die die Mechanismen der (Selbst-)Ausbeutung unsichtbar zu machen droht. Das Montagsfrühstück im März wird die Frage ins Zentrum stellen, welche Möglichkeiten die Literatur hat, auf diese neuen Formen der Arbeitswelt und auf Veränderungen von Arbeit und Alltag durch Formen der (Selbst-) Organisation zu reagieren. Wie dringen Formen des Managements in unser Privatleben ein, das seinerseits zunehmend durch Selbstdisziplinierung und Selbstmanagement gekennzeichnet zu sein scheint?

Im Gespräch zwischen Kathrin Röggla und dem Germanisten und Kulturwissenschaftler Thomas Wegmann werden vor allem die sprachlichen Mechanismen des Umgangs mit hegemonialen Strukturen beleuchtet und die genannten Strategien und Strukturen hinterfragt.

Thomas Wegmann, geboren 1962 in Bochum, Studium der Germanistik, Anglistik und Philosophie in Essen, Dublin und Berlin, seit 2011 Univ.-Prof. am Institut für Germanistik an der Universität Innsbruck. Forschungsschwerpunkte u.a. Literatur und Ökonomie, Kulturtechniken des Schreibens und der Schrift, Literatur und Medien, Literatur vom 18. bis zum 20. Jahrhundert.

Kathrin Röggla, geboren 1971 in Salzburg, lebt in Berlin. Zuletzt erschienen: wir schlafen nicht (2004, Fischer), disaster awareness (2006, Droschl), gespensterarbeit, krisenmanagement und weltmarktfiktion (2009, Picus), die alarmbereiten (2010, Fischer), publikumsberatung (zusammen mit Leopold von Verschuer, 2011, Matthes&Seitz). Zahlreiche Radioarbeiten und Theatertexte.

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn, Denkpanzer und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft d. Universität Innsbruck

Mit freundlicher Unterstützung von Rauch Mehl und Die Brotbuben

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Montag, 12. Dez., 9 – 11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef Hirn Straß2 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Körper, Technik, Natur

Beim letzten Montagsfrühstück in diesem Jahr wird es auf einer grundsätzlichen Ebene um das Verhältnis von Natur und Kultur und um die Frage von Biopolitik gehen, wobei im Zentrum die Frage von Bildern des Körpers und von Körperlichkeit generell stehen wird. Ist der Körper ein natürliches Ideal oder ein technischer Effekt? Wie sehen die Normen von natürlicher Körperlichkeit aus und wie haben sie sich entwickelt? Orientieren sich „technische“ Eingriffe in den Körper an einem Ideal des „Natürlichen“?

Kordula Schnegg, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Alte Geschichte und Altorientalistik hat sich in ihrer Forschungstätigkeit mit der Geschichte von Körperlichkeit und Körperbildern beschäftigt. Sie wird mit dem Kulturhistoriker, Sozialwissenschaftler und Künstler Bernhard Kathan diskutieren, dessen Kunst und wissenschaftliche Arbeit sich immer wieder mit der Frage des Körpers und des Verhältnisses von Natur und Kultur / Technik auseinandersetzen.

http://www.hiddenmuseum.net

Moderation: Martin Sexl

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn, Denkpanzer und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft d. Universität Innsbruck

Mit freundlicher Unterstützung von Rauch Mehl und Die Brotbuben

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Montag, 21. November 2011, 9 – 11 Uhr

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef Hirn Straß2 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Geld: Tauschmittel, Ware, Machrsymbol?

Wie reden wir über Geld? Was verbinden die Menschen emotional mit Geld? Und was ist Geld überhaupt? Eine soziale Praxis? Ein alltägliches Medium? Ein Fetisch? Eine Ware? Ein vernünftiges Instrument des Tausches? Gerade in Zeiten eines – wie es scheint – enthemmten Finanzkapitalismus sind solche und ähnliche Fragen hochinteressant. Das Montagsfrühstück wird zwar nicht das Entstehen von Finanzkrisen erklären können, allerdings kann es Raum geben, um über die Semantik des Geldes zu diskutieren und die Trennung von Ökonomie und Kultur in unserer Gesellschaft zu hinterfragen.

An diesem Montagsfrühstück treffen sich der historisch-ethnographische Blick der Innsbrucker Ethnologin Silke Meyer mit dem literarisch analytischen des Schriftstellers Peter Rosei, der mit seinem Roman Geld! ein lakonisch packendes Buch, ein scharfsinnigböses Puzzle mit komödiantischen Zügen geschrieben hat und seinen Blick auf die Gegenwart unserer Gesellschaft wirft, die bis in die Lebenswürfe des einzelnen hinein in den Fängen des Kapitalismus verstrickt ist. So heißt es denn auch in Anspielung auf Schnitzlers Meisterwerk: „Der Kapitalismus ist ein weites Land.“

Silke Meyer und Peter Rosei im Gespräch mit Martin Sexl

Mit freundlicher Unterstützung von Rauch Mehl und Die Brotbuben

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Montag, 24. Okt., 9 – 11 Uhr

Zurück zur Natur – nur, zu welcher?

Oft sprechen wir wenn es um Armut, atomare Unfälle, Klimawandel oder andere schreckliche Konsequenzen menschlichen Handelns geht von „Unglück“ oder „Katastrophen“, als ob solche Ereignisse „ganz natürlich“ über den Menschen hereinbrechen würden und nicht von diesem gemacht wären. Natur kann so gesehen in der gesellschaftspolitischen und medialen Rhetorik als Argument dienen, um menschliches Handeln zu entschuldigen. Parallel dazu scheint es ein sehr starkes menschliches Bedürfnis und eine Sehnsucht nach einer „natürlichen Natur“ zu geben, die einen Rückzugsort bildet, der frei ist von zivilisatorischen Überformungen und technologischen Eingriffen, welche die Erde ja zunehmends an den Rande eines Kollapses zu führen scheinen. Diese „natürliche Natur“ ist jedoch vielleicht nicht mehr als unberührte Wildnis denkbar, die es schon lange nicht mehr gibt, sondern als in irgendeiner Form deformierte Natur. Exemplarisch wird das dort deutlich, wo vom Menschen gemachte Katastrophen zu einem zivilisatorischen Versagen geführt haben und die Natur zu wuchern beginnt, wie in der Sperrzone rund um Tschernobyl oder in den von Wirbelstürmen heimgesuchten Tropen.

Das komplexe Wechselverhältnis von Natur und Kultur/Zivilisation soll in diesem Montagsfrühstück zur Diskussion gestellt werden. Es diskutieren der Schriftsteller und Musiker Hans Platzgumer und Josef Nussbaumer, Professor am Institut für Wirtschaftstheorie, -politik und -geschichte an der Universität Innsbruck. Moderation: Martin Sexl.

Ort: Literaturhaus am Inn, Josef Hirn Straß2 5, 10. Stock, 6020 Innsbruck

Mit freundlicher Unterstützung von Rauch Mehl und Die Brotbuben

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